Ihr kennt ja auch die permamenten Klagen, wie verroht und verferkelt unsere Jugend durch Film und Fernsehen, Manga und Videospiele geworden sind? Ich bin mir sicher, die ewigen Predigten sind dem geneigten Leser ein Begriff – wer von euch mit Eltern (oder mit Pädagogen ohne oder mit Nachwuchs, bei denen ist das egal) zu tun hat, darf sich (schwer) geprüfter Experte nennen.
Jedenfalls war auch hier alles besser, damals, als man selber jung war. Da gab es noch kinderfreundliche Sachen im Fernsehen, vor allem eine ganze Menge Tierfilme, Dokumentationen und Spielfilme mit Tieren in tragenden Rollen, die ich als Kind geliebt habe, schließlich fand ich die meisten Tiere zumindest interessant, viele wahnsinnig toll und wirklich kein einziges eklig – jedenfalls nicht so eklig wie ich Marzipan bewertete. Mal angenommen, Marzipan wäre ein Tier. Stellt es euch einfach vor – widerwärtig, oder?
Meine allerliebsten Lieblingstiere von allen waren Otter – Fischotter, Seeotter – alle Lutrinae hatten es mir angetan und ich bin bis heute ein großer Fan; wenn jemand von euch otternah wohnt, komme ich sofort zu Besuch. Kein Problem. Mein Herz geht weit auf, wenn ich nur diesen hopsigen Gang sehe, ach, alles! Ich bekenne feierlich: Ich liebe Otter!
Nun, daher war ich auch begeistert als einmal Mein Freund, der Otter im TV-Programm angekündigt war. Damals durfte ich nicht sonderlich lange fernsehen, aber meine Eltern machten bei Tierfilmen schonmal eine Ausnahme und so konnte ich auch einen richtigen Spielfilm zu Ende schauen. Dieser hier war ganz toll und etwas süßlich – ein Mann aus London kauft auf einem Basar im Irak einen Fischotter und nimmt ihn mit nach London, wo – Surprise, Surprise! – ein gewaltiges Otterabhängiges Chaos entsteht. Der Tierfreund beschließt, einfach nach Schottland zu ziehen und sich dort ein Anwesen zu kaufen. Für den Wassermarder und für sich selbst auch – er ist die Zivilisation sowieso satt. Er baut dem Otter ein bequemes Habitat und bezieht ein eher spartanisches für sich selbst, auf einem Hügel. Die örtliche Ärztin verliebt sich in ihm – sie hat einen freundlichen Hund, der irgendwann auch mit dem Otter Mij (ich dachte, er hieß “Mitch”) anfreundete und dessen viele kleine, völlig realistische Streiche stoisch ertrug. Alle waren sehr glücklich und wurden beste Freunde.
So weit, so gut, so kindgerecht, so etwas langweilig, oder?
Nun, bis zu den letzten Minuten, in denen etwas so drastisches und absolut grauenvolles passiert, das ich diese Szene niemals wieder vergessen habe. Ehrlich, ich habe sie genau vor meinem inneren Auge; es wird eigentlich nichts gewalttätiges gezeigt und, aber selbst einem Grundschüler wie mir war klar, dass … dieses unabsichtliche, aber mächtige Ausholen mit einem Spaten … nicht gut für einen kleinen Otter ausgehen kann, der dummerweise gerade in diese Richtung unterwegs ist. Schnitt hin oder her.
Das war so … schlimm. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich untröstlich war, aber es hat Ewigkeiten gedauert – da war mir auch komplett egal, ob die das alles nur gespielt haben, Otter inklusive. Nicht, dass ich nicht zwischen Film und Realität unterscheiden konnte, aber der Mij in der Geschichte war eben trotzdem tot. Und das machte mich sehr traurig; ich war immer schon schwer zu trösten. Mir war auch egal, dass Mij sehr fleissig gewesen war und eine Handvoll süßer Nachkommen gezeugt hatte – der “Ewige Kreislauf des Lebens” war mir aber sowas von kackegal. Die sollten ein Ersatz für Mij sein ?!?
So etwas Fieses würden sich die Macher von Yu-Gi-Oh! oder Pokemon oder Dragonball Z niemals trauen. Da können sich die Anime-Helden noch so lange prügeln.
Da kommen die nie dran. Ich finde es aber immer noch sehr erstrebenswert, einsam in Schottland zu leben, auf einem Hügel, mit einer tollen Frau nebst Hund und einem Otter, natürlich. Außerdem: Ein guter Vorrat des besten lokalen Whisky, natürlich, sowie etwas Shortbread (Ich habe ein gutes Rezept.).
Letzte Kommentare