Warten

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Die letzte Woche war keine gute Paketewoche. Sie begann mit der Geiselnahme meiner Ausgabe von L.A. Noire durch die hiesige Packstation. Ich dachte, das wäre schwer zu toppen. Oh, wie sehr hatte ich mich getäuscht…

Schon ein Blick auf die Bestallbestätigung meines neuen gebrauchten… ganz sicher nicht zuvor gestohlenen… Autoradios hätte mir große Sorgen bereiten sollen. Es kam nicht mit der Post – oder einem der Tochterunternehmen, die seit einigen immer die Schuld an vermurksten Lieferungen zugeschoben bekommen. Nein. Es war eine Götterbotenlieferung.

Die kommen nicht am Morgen, sondern… vielleicht am Morgen. Vielleicht aber auch am Nachmittag. Am Vorabend. Oder am Abend. Wenn man sie verpasst, kann man die Pakete nirgends abholen. Nicht beim Nachbarn, nicht bei der Post. Sie hinterlassen auch keine Zettel auf denen der nächste Zustellversuch angekündigt. Sobald man also angekündigt bekommt, dass die Sendung “vermutlich heute” zugestellt wird, muss man warten.

Genau so habe ich den letzten Nachmittag und Abend verbracht: Auf dem Sofa. Nah am Fenster, vom dem aus man sehr gut die Tür und die vorher auf störungsfreien Betrieb kontrollierte Türklingel im Auge hat. Ohne Kopfhörermusik, damit ich dir Klingel auch dann hören würde, wenn ich den Götterpaketboten übersehen sollte. Staubsaugen ging natürlich auch nicht. Die Einkäufe hatte ich verschoben und war so vom Mineralwassermangel bereits schwer gezeichnet. Aber ich wartete. Stundenlang. Ich nahm sogar mein Abendmahl am Fenster ein. Ich wartete unermüdlich, bis es dunkel wurde.

Niemand kam. Niemand klingelte. Niemand… warf eine Karte mit dem neuen Zustelltermin ein oder meldete sich bei meinen Nachbarn. Hat eigentlich jemals eine berufstätige Person außerhalb der Urlaubstage ein Paket vom diesem Laden geliefert bekommen?

Ich habe aber mal im hochmodernen amazonischen Paketverfolgunssystem nachgeschaut. Da steht:

24. Mai 2011 18:11 Lage DE Zustellversuch

Ich würde nun gern wissen, wer um diese Zeit unbemerkt in meine Wohnung eingebrochen ist, mich kampflos mit K.O. Tropfen außer Gefecht gesetzt und gleichzeitig ähnliches bei all meinen Nachbarn vollbracht hat, nachdem er die Briefkästen für einige Minuten zugeschweißt hat. Denn sonst hätte ich ziemlich sicher mitbekommen, wenn man mir etwas gewollt hätte.

Oder der Götterbote ist gar nicht gekommen und hat schamlos gelogen. Das kann natürlich nicht sein, oder?

Epilog: Ratet mal, wo ich gerade sitze und diesen Beitrag schreibe. Die Vorräte werden knapp, aber ich gebe nicht auf. Aus dem Augenwinkel schiele ich zur Tür…

25. Mai 2011 09:47 Lage DE Lieferung wird zugestellt

Meine Augen beginnen langsam zu brennen, vom zur-Tür-schielen.

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Liegen

Ich lag noch im Bett und sollte allmählich auf die Beine kommen, aber irgendwie ging es nicht. Das Licht schimmerte durch die kleinen gestrichelten Lücken in den Rollläden, die mich immer an die Perforationen an Kinokarten erinnern; winzige Unterschiede am Lichteinfall reichten mir inzwischen aus, um mit großer Sicherheit festzustellen welches Wetter mich erwartete.

Meiner Beobachtung nach schien die Sonne.

Die Reifen der Autos klangen nicht feucht auf dem Asphalt, stellte ich fest.

Ich hatte auch nichts ausgesprochen Fürchterliches auf meinem Terminkalender.

Aber ich war allein, und wenigstens eine Email oder eine SMS hätten ausgereicht, irgendeine Nachricht… irgendetwas. Von fast Irgendwem. Fast, wie gesagt.

Ich blieb also noch etwas liegen. Die Welt hatte eine Chance verdient.

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