Wenn es eine eigentlich praktisch aussehende, wohlgemeinte Erfindung mit desaströsen Nebenwirkungen gibt, dann wäre das die in einigen Notebooks eingebaute Kamera. Natürlich ist so etwas nützlich, oberflächlich gesehen: Man kann bequem Videochats veranstalten oder – überdurchschnittlichen Mut vorausgesetzt – spontan Selbstportraits schießen und eigentlich geliebten Menschen schicken, ohne lange darüber nachzudenken. Hier allerdings liegt die Crux: Aus der leicht über dem Notebook gebeugten Haltung, viel zu nah an der Kameralinse ist noch nie ein erträgliches, geschweige denn freundliches Bild geschossen worden.
Sie macht ein zu langes Kinn. Verbeult auch den sonst wohlgeformtesten Schädel. Sie kann sogar die strahlendsten Erscheinungen, nun, etwas merkwürdig aussehen lassen. Sogar ich sehe (noch) älter, noch verkaterter und noch viel verstörter aus als ich überhaupt gar nicht in keinem Fall sein kann. Sie kann die stabilsten Persönlichkeiten an ihrem Selbstbild zweifeln lassen – denn Bilder lügen nicht, oder?
Nun, sie lügen vielleicht nicht. Aber manchmal sind Bilder auch einfach Arschloch, verdammt. Vor allem welche, die aus winzigen Notebookrahmenkameras stammen. Ich mag es allerdings, Fotos zu bekommen, sonst würde ich glatt vor solcherlei satanischer Elektronik warnen.
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