Mal ehrlich: Da entkomme ich aus dem einen überfüllt, außerdem gerade ungut beschallten Laden, nur um die lang gesuchten (wenngleich durch Erkältung dezimierten) Wichtigen Leute™ gerade beim Eintreten zu beobachten – sie haben buchstäblich Stunden gewarten und wollen unbedingt rein. Okay, wir wollen raus, ich und der einzige Weise unter den Geschmacklosen Trinkern dort drinnen. Als ob ich an diesem Abend überhaupt irgendwo richtig anwesend gewesen wäre.
Und so lange ich halbwegs durch Zufall oder Vorsehung in genau dem öden Laden, den ich nun wirklich nicht mehr sehen wollte: Die Stätte meiner überaus deprimierenden Weihnachtserinnerung vom letzten Jahr.Die einzige Person, die nicht völlig besoffen war und mit mir reden wollte war diejenige, die mich im letzten Jahr noch nervös machte (in a good way). Ich wurde nach 10 Minuten voller Belanglosigkeiten und viel Gekicher minus Charme richtig müde und schämte mich dafür. Nichts mehr mit Nervösität und zielgerichteten Bemühungen, sondern eher etwas Sorge um sie und im Kopf die verzweifelte Suche nach einer elegant dahingequatschen Ausrede, die mir die Flucht ermöglichen würde.
Ein paar Hände geschüttelt und dann war da wieder die typische Leere, die mich seit Jahren beim Ausgehen an Heiligabend überkommt. Ich sollte es ganz lassen, zuhause bleiben und zur Abwechslung mal leicht angefuselt bequeme Geschichten verbloggen.
Draußen sitzt eine mittelalte Lady im Mantel, die sich kaum grade auf der Bank halten kann. Sie starrt mich an und grinst. Ich setz mich also. Was ich denn so dumm rumstehe, hmm? Keine Ahnung, sag ich. Warum sie denn so dumm rumsitze? Sie habe wenigstens ein klares Ziel – mit dem Typen von vor sieben Jahren zu reden, das wär ihr Ziel. Der käme gleich. Sie wär’ ja nicht so wegen Abschleppen hier. Ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Aber warum dann? Keine Ahnung, sag ich. Frohe Weihnachten auch; der Siebenjährige taucht auf und ich ab.
Also wieder zurück in Laden #1. Keiner mehr da. Abgesehen von Tpen, die einen auf dem Klo dumm von der Seite anmachen, weil sie sich prügeln wollen. Da hat man doch grade Wichtigeres zu tun, Jungs!
Nur hinter der Theke, da ist ein ein bekanntes, fröhliches Gesicht – ein guter Bekannter, den wir hier vor nicht allzu langer Zeit versetzt haben, weil wir mal wieder anderswo versackten. Er hatte sich so gelangweilt, dass er sich mit der Bedienung unterhalten hat und nun doch noch den Job bekommen hat, den er grade noch brauchte. Der freut sich und ich mich dann auch ein wenig – karrierenfördernd zu spät kommen, das kann wirklich nur ich.
Auf der ganzen Rückfahrt stelle ich mir die wundervolle Traum-WG vor und lächle entgegenkommende Polizeifahrzeuge lieblich an.
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