Weihnachten

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Dachswetter.

So kurz vor Weihnachten, wenn das Wetter kalt und nass und die Arbeit schlichtweg zuviel wird, da buddel ich meine Gänge tiefer unter die Erde, weit unter den geschäftigen Westen Bielefelds – tiefer und tiefer, bis man die Geschäftigkeit der Welt dort oben kaum noch mitbekommt. Weil ich da unten ein bequemes Sofa, solides Internet, Kekse, Whisky und Ingwertee habe, ist der Weg hoch zum Tageslicht nicht besonders erstrebenswert. Ich bleibe lieber hier drin, kuschelig eingegraben.

Ist ja eh ekelhaft da draußen. Wer will schon da raus?

Ich jedenfalls nicht, soviel steht fest.

Na gut, für auserwählte Dachse und Spezialmenschen mache ich Ausnahmen. Außerdem kann ich mal darüber nachdenken, zu Weihnachten die Nase an die Luft zu stecken und probeweise ein paar Schritte in die Öffentlichkeit zu wagen.

Nun, falls ihr etwas Leckeres vor dem Bau wedelt, dann… nun, das könnte auch von Erfolg gekrönt sein. Aber gebt euch Mühe: Dieses Sofa hat große Macht über mich und sein Zauberbann ist nicht leicht gebrochen.

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Naja, mehr als dieses neue Katzenvideo habe ich gar nichts an Weihnachtlichem in meiner Wohnung. Nicht mal einen Adzwendzkranz besitze ich- oder wie auch immer sie das Ding nennen, welches ich unter einem anderen, ähnlich (aber nicht genauso) klingenden Namen kennengelernt habe. Keine aufgeklebten Engelbilder vor den Fensterscheiben. Keinen Baum. Keine Weihnachtsmänner, die ich nicht schon vertilgt habe. Keine Fischerchöre im CD-Abspielgerät.

Dafür habe ich ne neue Pulle besten Wodka, Rum für Grog und eine frische Weihnachtsmettwurst, die mir vom heimatlichen Bauern aufgedrängt wurde. Und – genau, beinahe hätte ich es vergessen – jede Menge Schnee, der wie ein Schalldämpfer für das ganze Bielefeld da draußen wirkt. Das reicht mir eigentlich schon.

P.S.: Halthalthalthalthalthalt. Nicht so flott. Eines gibt es ja noch: Eine unsichtbare Reservierung für Sacha Brohms weihnachtliche Weihnachtslesung spukt in diesem Gemäuer und macht es im Alleingang so viel feierlicher – ihr glaubt es nicht, aber es ist so richtig wahr. Samstag, 19 Uhr im Filmhaus. Ich habe gehört, man kann dort sogar noch selber reservieren und sich den Geist von Weihnachten in die Bude holen und so eine Menge Fensterbilder sparen. Fünf Euro. Guter Deal, oder?

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Weihnachten!

Nun aber wirklich mal: Nachdem der letzte Abend mit dem wundervollsten Lachanfall des Jahres ausklang und ich den ganzen Morgen kleine freche Kinder bespaßt habe… ist auch für mich die Zeit gekommen, verdammt familiär zu werden. Für eine Weile.

Dazu: Immer noch das allerschönste und allerkaputteste Lied und mit Sicherheit das tollste Duett zum Fest, in einer noch kaputteren Liveversion. Egal, wie oft das in letzter Zeit schon gezeigt wurde: Ich mags. Vor allem die letzte Strophe, nach einer inspirierten Reihe gegenseitiger Beleidigungen:

I could have been someone
So could anyone
You took my dreams
From me when I first found you
I kept them with me babe
I put them with my own
Can’t make it all alone
I’ve built my dreams around you.

Ja.

Frohe Weihnachten, ihr alle.

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Vor Weihnachten ist meine Arbeit am schwersten; die Stunden werden mehr und die Krisen häufen sich. Ich komme nach Hause, es ist dunkel, nass und kalt und eigentlich kannst du nur noch einschlafen und vielleicht etwas essen. Schreiben, ach ja – die Berichte – dazu komme ich kaum. Nicht nur wegen der Müdigkeit, ich bin einfach in jeder Hinsicht zu erschöpft, um mehr als anspruchlosestes Fernsehprogramm zu schauen. Wenigstens leert das mein Hirn und am nächsten Morgen geht es dann wieder. Dann wache ich zu früh auf und schreibe in Gorgmorg oder eine Mail.

Ich fühle mich gar nicht weihnachtlich, meine Wohnung ist nicht geschmückt und wenn “Last Christmas” im Radio läuft, schalte ich aus. Aber ich freue mich auf Weihnachten. Das geht.

Ich habe dann nämlich frei. Nicht mehr als die Feiertage, aber immerhin. Es wird nie wieder wie früher sein – meine Familie hat sich gründlich zerstritten und wir werden wieder nur zu viert sein, mein Bruder und meine Eltern, dazu meine Wenigkeit. Dafür hatte ich auch kein Problem beim rechtzeitigen und lückenlosen Geschenkefinden! Es wird auch keinen Streit geben, wir sehen uns sowieso ziemlich oft und hatten dafür reichlich Gelegenheit. Trotzdem, ich werde auf andere Gedanken kommen und fürchterlich gut essen. Danach sitzen wir sicher am Kamin; das wird schön.

Ich werde meine Freunde sehen und dabei vielleicht einmal ausgeschlafen sein, um nicht nach zwei Stunden einzunicken.

Ich werde die Feiertage lang überhaupt gar keinen festen Plan haben und darauf freue ich mich am meisten.

Ich wünsche mir, dass sie Grund zum lächeln hat. Ich lächle schon, wenn ich nur an sie denke und das tue ich oft. Dafür bin ich sehr dankbar und wenn sie hier wäre… ach, das hat schon mit Liebe zu tun. Viel sogar.

Passt also, irgendwie.

Irgendwie also freue ich mich auf Weihnachten.

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Mal ehrlich: Da entkomme ich aus dem einen überfüllt, außerdem gerade ungut beschallten Laden, nur um die lang gesuchten (wenngleich durch Erkältung dezimierten) Wichtigen Leute™ gerade beim Eintreten zu beobachten – sie haben buchstäblich Stunden gewarten und wollen unbedingt rein. Okay, wir wollen raus, ich und der einzige Weise unter den Geschmacklosen Trinkern dort drinnen. Als ob ich an diesem Abend überhaupt irgendwo richtig anwesend gewesen wäre.

Und so lange ich halbwegs durch Zufall oder Vorsehung in genau dem öden Laden, den ich nun wirklich nicht mehr sehen wollte: Die Stätte meiner überaus deprimierenden Weihnachtserinnerung vom letzten Jahr.Die einzige Person, die nicht völlig besoffen war und mit mir reden wollte war diejenige, die mich im letzten Jahr noch nervös machte (in a good way). Ich wurde nach 10 Minuten voller Belanglosigkeiten und viel Gekicher minus Charme richtig müde und schämte mich dafür. Nichts mehr mit Nervösität und zielgerichteten Bemühungen, sondern eher etwas Sorge um sie und im Kopf die verzweifelte Suche nach einer elegant dahingequatschen Ausrede, die mir die Flucht ermöglichen würde.

Ein paar Hände geschüttelt und dann war da wieder die typische Leere, die mich seit Jahren beim Ausgehen an Heiligabend überkommt. Ich sollte es ganz lassen, zuhause bleiben und zur Abwechslung mal leicht angefuselt bequeme Geschichten verbloggen.

Draußen sitzt eine mittelalte Lady im Mantel, die sich kaum grade auf der Bank halten kann. Sie starrt mich an und grinst. Ich setz mich also. Was ich denn so dumm rumstehe, hmm? Keine Ahnung, sag ich. Warum sie denn so dumm rumsitze? Sie habe wenigstens ein klares Ziel – mit dem Typen von vor sieben Jahren zu reden, das wär ihr Ziel. Der käme gleich. Sie wär’ ja nicht so wegen Abschleppen hier. Ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Aber warum dann? Keine Ahnung, sag ich. Frohe Weihnachten auch; der Siebenjährige taucht auf und ich ab.

Also wieder zurück in Laden #1. Keiner mehr da. Abgesehen von Tpen, die einen auf dem Klo dumm von der Seite anmachen, weil sie sich prügeln wollen. Da hat man doch grade Wichtigeres zu tun, Jungs!

Nur hinter der Theke, da ist ein ein bekanntes, fröhliches Gesicht – ein guter Bekannter, den wir hier vor nicht allzu langer Zeit versetzt haben, weil wir mal wieder anderswo versackten. Er hatte sich so gelangweilt, dass er sich mit der Bedienung unterhalten hat und nun doch noch den Job bekommen hat, den er grade noch brauchte. Der freut sich und ich mich dann auch ein wenig – karrierenfördernd zu spät kommen, das kann wirklich nur ich.

Auf der ganzen Rückfahrt stelle ich mir die wundervolle Traum-WG vor und lächle entgegenkommende Polizeifahrzeuge lieblich an.

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Letztes Jahr war es schlimm für mich, dieses Jahr wird es auf jeden Fall besser, fast sicher bin ich mir da. Weihnachten ist für mich eher eine traurige Sache gewesen in letzer Zeit: Man sieht nicht, wen man sehen wollte oder man fühlt sich noch viel einsamer und verlorener als während des restlichen Jahres. Nicht, dass es dieses Mal so grundlegend einen anderen Verlauf nehmen wird als in schlechteren oder glücklicheren Tagen, aber ich habe doch Hoffnung darauf, dass die Zukunft gute Änderungen bringt. 

Ich kann ja gar nicht so viele Grüße und Wünsche schreiben, wie ich gern wollte, in diesen Internetzeiten mit hunderten von Kontakten. Mit etwas Glück sehe ich ein paar von meinen Freunden und das ist schon einmal eine gute Sache; die ganzen Feiertage mit der Familie zu verbringen ist ein Graus. Andererseits … kenne ich auch Leute, die diesen Graus ganz gern hätten und die an Heiligabend ganz allein zuhause herumsitzen. Nichts gegen ein wenig Spießigkeit, ein wenig Sich-Mühe-Geben oder Nettsein-wollen – damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich erlaube mir großherzig, mich darauf zu freuen. Geschenke zu machen, das tue ich gern, allerdings lieber an Tagen, an denen es nicht von mir erwartet wird.

Ein paar von euch da draußen geht es nicht so gut, wie ich es mir wünsche, aus welchen Gründen auch immer und daher kann es für mich auch nicht ganz ohne Wehmut gehen. Ich wünschte, ich könnte euch sehen und fürchterlich viel ungesundes Zeug mit euch zusammen vertilgen, dazu völlig angemessen unbezahlbare Tropfen bester Sorte, nicht zu knapp! Nur das mit dem Singen, das bekomme ich sicher nicht stilecht hin. Ah, wäret ihr nur hier. Aber vielleicht lest ihr mich ja. Vielleicht liest du mich ja.

Ein paar gute Tage und ein wenig Ruhe wünsche ich euch.

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