winter

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Dachswetter.

So kurz vor Weihnachten, wenn das Wetter kalt und nass und die Arbeit schlichtweg zuviel wird, da buddel ich meine Gänge tiefer unter die Erde, weit unter den geschäftigen Westen Bielefelds – tiefer und tiefer, bis man die Geschäftigkeit der Welt dort oben kaum noch mitbekommt. Weil ich da unten ein bequemes Sofa, solides Internet, Kekse, Whisky und Ingwertee habe, ist der Weg hoch zum Tageslicht nicht besonders erstrebenswert. Ich bleibe lieber hier drin, kuschelig eingegraben.

Ist ja eh ekelhaft da draußen. Wer will schon da raus?

Ich jedenfalls nicht, soviel steht fest.

Na gut, für auserwählte Dachse und Spezialmenschen mache ich Ausnahmen. Außerdem kann ich mal darüber nachdenken, zu Weihnachten die Nase an die Luft zu stecken und probeweise ein paar Schritte in die Öffentlichkeit zu wagen.

Nun, falls ihr etwas Leckeres vor dem Bau wedelt, dann… nun, das könnte auch von Erfolg gekrönt sein. Aber gebt euch Mühe: Dieses Sofa hat große Macht über mich und sein Zauberbann ist nicht leicht gebrochen.

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Geneigte Leserinnen, geschätzte Leser – wie wohl ein Großteil von euch muss auch ich mich seit Tagen mit den aufgeregten Medienberichten und tatsächlich auch etwas ganz realem Schnee herumplagen. Ich möchte betonen, dass ich Schnee mag und ihm keineswegs seine Rechte absprechen möchte, überall herauf zu schneien und auch liegen zu bleiben.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass nicht wenige da draußen doch ein wenig in Stress geraten sind, wegen Schneepflugzuschaufelungen, Glatteis, Verwehungen, Matsch und all den anderen winterlichen Dingen die man während milder Winter so romantisch findet und schmerzlich vermisst.

Meine Lösung: Warum nicht ganz darauf verzichten, den Wagen freizuschaufeln? Ich würde vorschlagen, einen ganz anderen Ansatz zu erwägen und nicht etwa dem inneren Schweinehund nachzugeben und faul im Haus zu bleiben. So wäre mein Vorschlag dieser: Wir gehen raus und nehmen Schaufeln und Handschuhe und all das Notwendige mit und dann… buddeln wir unsere Autos und Züge und Busse so richtig ein, bis wir sie gar nicht mehr erkennen können. Wenn ein Schneepflug vorbeikommt, wird der uns sicherlich gern behilflich sein. Danach gehen wir alle ins Haus und sind faul. Da müssen nur alle mitmachen, sogar Chefs und tapfere Zugführer und so. Irgendwann ist der Schnee weg und dann gehen wir raus und tun einfach so, als wären die letzten Tage gar nicht passiert. Keine Unfälle, kein Stress, kein Chaos. Alles in bester Ordnung.

Alle wären so glücklich. Ihr solltet mich öfters fragen, ich weiß Rat.

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Wintersachen

Letzte Nacht träumte ich davon, eine sommerliche Allee entlangzufahren, die anstelle von Bäumen links und rechts von antiken Kleiderschränken umsäumt war. Ich fand das ausgesprochen beruhigend und überlegte, ob es vielleicht legal sei, eines dieser Möbel zu wildern: Bekanntlich fehlt es mir noch an einem passenden Schrank für meine Garderobe. Ich habe der Versuchung nicht nachgegeben, nicht zuletzt deswegen weil ich in diesem Moment aufgewacht bin.

Ich habe gute zehn Stunden geschlafen und draußen ist alles weiß und still. Ich kann mich gar nicht richtig daran erinnern, wann ich das letzte Mal so entspannt war. Ich glaube, ich brauche mal wieder Urlaub.

Jetzt werden Weihnachtspakete gepackt, wenn alles nach meinem Plan geht. Ich freue mich schon. Allerdings müsste ich dann ja aufstehen und… ach, ich bleibe noch etwas liegen und lese etwas. Ist ja Sonntag, oder etwa nicht?

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Naja, mehr als dieses neue Katzenvideo habe ich gar nichts an Weihnachtlichem in meiner Wohnung. Nicht mal einen Adzwendzkranz besitze ich- oder wie auch immer sie das Ding nennen, welches ich unter einem anderen, ähnlich (aber nicht genauso) klingenden Namen kennengelernt habe. Keine aufgeklebten Engelbilder vor den Fensterscheiben. Keinen Baum. Keine Weihnachtsmänner, die ich nicht schon vertilgt habe. Keine Fischerchöre im CD-Abspielgerät.

Dafür habe ich ne neue Pulle besten Wodka, Rum für Grog und eine frische Weihnachtsmettwurst, die mir vom heimatlichen Bauern aufgedrängt wurde. Und – genau, beinahe hätte ich es vergessen – jede Menge Schnee, der wie ein Schalldämpfer für das ganze Bielefeld da draußen wirkt. Das reicht mir eigentlich schon.

P.S.: Halthalthalthalthalthalt. Nicht so flott. Eines gibt es ja noch: Eine unsichtbare Reservierung für Sacha Brohms weihnachtliche Weihnachtslesung spukt in diesem Gemäuer und macht es im Alleingang so viel feierlicher – ihr glaubt es nicht, aber es ist so richtig wahr. Samstag, 19 Uhr im Filmhaus. Ich habe gehört, man kann dort sogar noch selber reservieren und sich den Geist von Weihnachten in die Bude holen und so eine Menge Fensterbilder sparen. Fünf Euro. Guter Deal, oder?

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Ich sollte entweder schlafen oder mich irgendwo in der Stadt herumtreiben, schätze ich. Ein Blick auf Twitter und all das andere Gedöns lässt mich vermuten, dass meine Bekannten genau solche Zustände vorweisen: Sehr munter oder sehr bewusstlos. Kein Zweifel: Diese Munterkeit des Samstag abends kann auch schnell zu Bewusstlosigkeit führen, wie ich selbst bestätigen kann. Die schlafbedingte Bewusstlosigkeit kann durch einen einzigen Anruf oder das Klingeln meiner Türglocke beendet sein – nicht allzu selten reicht dazu auch die unpraktisch ähnlich klingende Klingel meiner direkten Nachbarin.

Ich bin jedenfalls zuhause und gleich werde ich im Bett zuhause sein. Ich könnte ausgehen und bewusstlos werden, aber dazu habe ich keine Lust. Eben habe ich gehört, dass es in Bielefeld schneien soll – und da nehme ich doch einfach mal an, komplett eingeschneit zu sein und so dazu gezwungen, mich selbst zu beschäftigen und zu ernähren und zu unterhalten…die Rolläden bleiben unten, ich will gar nicht wissen wie hoch der Schnee steht.

Sollen die da draußen sich vergnügen. Ich kann ja leider nicht mitmachen, oder? Ich muss noch einen Grog trinken, so schlimm ist das hier drin. Aber ihr müsst mich auch nicht retten, ja?

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Photo Credit: Alexander Gorlin

Ungefähr einmal im Jahr habe ich eine Stunde lang Heißhunger auf Eisbein mit Sauerkraut und ganz sicher ist hier nicht sowas wie eine “moderne, leichte Version des deutschen Klassikers Eisbein” gemeint. Ich meine die fette, urtümliche Sache mit nahrhaften Beilagen und Senf dazu.

Der Fall ist klar: Es ist wohl doch noch Winter geworden.

Weitere Indizien: Die Katze, die bei meinen Eltern wohnt, will abends nicht mehr raus und krallt sich verzweifelt in alles greifbare fest, sobald man auch nur den Verdacht erweckt, sie hoch heben zu wollen. Man konnte sie ja rauswerfen. Aber bei dem Wetter… tut man das einer alten Katze nicht an.

Ich muss meine paar Tropfpflanzen ein Stück weiter vom Fenster entfernt stellen, weil sie das kalte Glas scheinbar nicht vertragen.

Ich denke daran, eine noch dickere Jacke auszumotten. Die Leute auf der Arbeit haben schlechte Laune und schwarze Gedanken. Aber wenn ich Glück habe, dann wird das ganze grauschwarze Widerlichsein rechtzeitig von weißem Schnee überdeckt und strahlt ein wenig.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber das hilft mir.

Winter bleibts trotzdem, aber der geht hoffentlich auch dieses Mal wieder vorbei.

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