Wlan

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Vor einigen Wochen rief mich mein Bruder an und bat mich um Hilfe; sein Computer hatte sich angewöhnt, in immer kürzeren Abständigen längere Pausen vom Internet zu nehmen. Ich kam also vorbei und schaute mir die Sache an. Nichts passierte – beziehungsweise: Alles passierte, was eigentlich auch passieren sollte. Nach einer Weile fuhr ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Natürlich rief er mich wenige Minuten später an – sein Rechner würde nicht ins Internet wollen.
Nun, gestern war ich wieder dort – eine dramatische Häufung unerfreulicher Ausfälle, scheinbar im Takt von nur 20 Minuten. Ein Notfall. Ich habe mein Macbook eingepackt (als definitiv stabil laufendes Referenz-WLAN-Testobjekt), dazu ein paar Salzstangen1 und dann habe ich dort alles ausgepackt, Rechner an, und dazu dann den Spongebob-Film; etwas anderes war grade nicht im Haus.

Ich kann euch sagen: Die Stimme der Hauptfigur ist nichts für einen leicht verkaterten Schädel. Erst recht nicht in derart bombastischer Beschallung – mein Bruder hat eine mächtige Anlage, die auch bitteschön ausgelastet werden soll.

All das tat, wie gesagt, meinem Kopf nicht gut, und obwohl ich mich irgendwie schon amüsierte, wollte ich doch nach Hause. Es war ja schon fast Mitternacht und wir hatten beide Schlaf nachzuholen. Ich hatte immer wieder gefragt, aber nein, er sagte mir was ich schon wusste, immerhin hatte ich ihn die ganze Zeit online gesehen: Keine Probleme.

Ich muss also davon ausgehen, dass entweder der legendäre Vorführeffekt in voller Stärke einsetzte oder – der Gedanke gefällt mir noch besser – dass allein meine heilkräftige Aura zickige Rechner in meiner Umgebung reibungslos arbeiten lässt. Vielleicht muss ich manchmal eine wundertätige Hand auf angstvoll vibrierende Gehäuse legen, aber das sicher nur in besonders schweren Fällen oder während meiner Fernsehauftritte, wegen der eindrucksvollen Optik. Ob das auch für Menschen gilt? Muss ich nun nie wieder meine alten, in entbehrungsreichen Jahren der Entsagung in entlegenen Klöstern der Physiotherapie erlernten Künste der Nackenmassage anwenden?

  1. etwas anderes knabbertaugliches war nicht im Haus, leider []

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Schnipsel

Ich habe endlich wieder WLAN und das ist gut, denn das bedeutet “Krams lesen und Schreiben im Bett” – für mich ein großer Luxus. Soeben gebe ich mich diesem Luxus hin und fühle mich recht dekadent und zufrieden. Die besten Dinge im Leben kann man bekanntlich am besten im Bett tun.

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Der erste Tag zurück auf der Arbeit war merkwürdig, arbeitsreich und etwas exotisch – man hat im öffentlichen Dienst scheinbar immer etwas Angst, dass sich Leute flugs “kaputtschreiben” lassen. Daran muss ich mich noch gewöhnen.

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Ich habe begonnen, über meinen Schatten zu springen und scheintote Kontakte aus ICQ und meinem Adressbuch zu löschen; damit meine ich Leute, mit denen ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen habe und auch keinen Wunsch danach verspüre; außerdem welche, die ich beim besten Willen nicht einordnen kann: Wer ist das, verdammt noch mal? Fühle mich dabei gleichzeitig erleichtert und ein wenig schuldig.

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Ich habe ein kleines Blog über Mobiltelefone aufgemacht, das war eine spontane Sache. Mal sehen, ob es uns Spaß macht. Es heißt Endgerät. Besucht doch mal!

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Da bin ich also, in einer überaus plüschigen und altväterlichen1 Wohnung – nicht groß, dafür aber keimfrei. Die Grundausstattung ist so umfangreich wie geschmacksarm; scheinbar ist meine herzensgute (?) Vermieterin davon überzeugt, dass ihre Mieter absolut gar nichts besitzen. So gar ein Zahnputzbecher gehört zur Grundausstattung – die dazugehörige Bürste glücklicherweise nicht. Nicht dass mich das ernsthaft überrascht hätte.

Es riecht nach Pril. Dafür ist das Sofa bequem – sagte ich das schon? Komischerweise ist der Fernseher im Esszimmer und entschieden sofafern installiert – wobei man ihn noch durch einen Durchgang knapp von der Seite sehen kann. An den Wänden hängt getöpfertes Geflügel aus den 70er Jahren und Kupferstiche2. Spiele mit dem Gedanken, noch schnell einkaufen zu gehen. Andererseits könnte ich auch das WLAN-Passwort erfragen gehen. Erfahrungsgemäß wird es dauern, bis die Vermieter das ermitteln. Auf der anderen Seite – Bier. Und vielleicht etwas Mineralwasser. Nun, wenn ihr das hier lest, wisst ihr was gewonnen hat. Nicht etwas die Vernunft über den Suff, meine tiefe Zuneigung in Richtung meiner geneigten Leserschaft hat den Sieg davongetragen.

Wenig später, Neuigkeiten: Oh Ja. Ich habe doch WLAN/Internet. Mein Vermieter hatte erhebliche Zweifel3, aber mein mächtig empfangsstarkes MacBook hat tatsächlich ein Signal4.

Nun ja.

Ein schwaches Signal, aber ich komme ins Netz. Ich kann bloggen.

Ausschließlich direkt vor dem Klo. Nur direkt auf einem Stuhl vor der Klotür, um das noch einmal aufs eindringlichste zu betonen. Seufz.

P.S.: Und ich habe immer noch kein Bier. Und der Vermieter macht den Router nur an, wenn er abends daheim ist. Strom sparen und so. So haben wir eigentlich nicht gewettet. Hrm. Naja, immerhin.

  1. Altmütterlichen? []
  2. Kupferstich-Imitationen?) mit historischen Stadtansichten. Das Bettzeug ist mit einem patriotischen Star-Spangled-Banner Bezug gesegnet; hier wird die deutsch-amerikanische Freundschaft noch gepflegt.

    Mir fällt auf, dass kein Bier im Haus ist ((Wein habe ich, aber der ist zu gut für mich allein. []

  3. Warum hat er dann sein Inserat damit beworben? []
  4. und ich glaube, nur mit einem Apple Notebook hat man wirklich eine Chance, hier irgendwas zu empfangen. Viel Spass, Nachmieter! []

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