Wohnung

Artikel mit dem Stichwort Wohnung.

Heute habe ich es endlich geschafft, meine alten Regale in der neuen Wohnung anzuliefern und aufzubauen. Das ist alles schon eine ganz erfreuliche Angelegenheit, allerdings habe ich es versäumt, auch meine Kisten mit Büchern und … Kram mitzubringen. Nicht einmal mein Offizier-Zur-See-Kerzenhalter hat seinen verblichenen Platz auf dem Holz eingenommen.

Ich habe zwei Bücher im Regal neben der Wohnzimmertür und meine Holzschüssel und meine weiche Decke und mein Teestövchen und meine Teekanne mit einem Aufguss Orange Broken Pekoe darin. Das Ganze schaue ich mir vom Sofa aus an, während ich mein Buch für einen Moment zur Seite gelegt habe.

Ich höre ganz leise Jazz.

Ich bewundere die makellosen Regalmeter.

Leere…

…und Erwartung. Hier ist viel Platz für Leben und Geschichten.

Schonmal ganz gut. Vielleicht bin ich mal ein paar Minuten zufrieden.

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Eine Ecke von der Ecke

Lange habe ich gezaudert und nachgedacht und mir Ratschläge eingeholt, vor allem die mit dem Lächeln außen in den Augenwinkeln und die kleinen und großen Anzüglichkeiten, doch es war immer klar: Ich brauche ein gutes Sofa, welches Platz für mich und Besuch gleichzeitig bietet, eines welches sich geschmeidig in die Ecke meines Wohnzimmers schmiegt, sich gut anfühlt und ausgesprochen praktisch ist, auch zum Darauf Schlafen Und So Weiter.

Genauer gesagt also exakt das, was auch auf dem erfreulicheren Teil des Preisschildes zu lesen war: Eine Funktionspolsterecke – der Begriff war mir lediglich nicht sofort eingefallen.

Ich habe es also getan, ich habe sogar noch geheime Extras dazugenommen, die ich natürlich brauche, schließlich habe ich mindestens dieselben Ansprüche wie Commander Bond an seinen Dienstwagen. Ich lege Wert auf einen verläßlichen und belastbaren Federkern – schließlich schätze ich entschiedenen Widerstand in bestimmten Situationen ebenso wie ansprechende Rückendeckung und hautschmeichelnde Haptik. Sogar die Spurbreite läßt sich justieren.

Ich fühle mich nur ein klein wenig schuldig ob dieser Investition und noch weniger für die Lieferanten, die das Teil irgendwie durch meine verwinkelte Wohnstatt zirkeln müssen – aber das sind verdammte Profis, verdammt.

Ich freue mich auf die Einweihung.

Eine längere Testphase wäre angebracht.

Fühlt sich sicher gut an.

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Das leise Knarzen der Holzbohlen über mir beweist weiteres menschliches Leben. Nun, nicht ganz, fällt mir ein: Es beweist wenigstens Leben.

Taktaktak pffrt pfft Taktaktak. Taktaktak pffrt pfft Taktaktak. Keine Ahnung, was das bedeutet. Manchmal hört man das tief in der Nacht.

Die Therme zischt manchmal, wenn ich sie anwerfen, genau wie Wassertropfen, die auf eine heiße Herdplatte fallen.

Das Quietschen und darauffolgende Klappern des Briefkastens.

Das herzhafte Furzen der Nachbarin, welches unweigerlich durch die Wand der nebeneinander gelegenen Badezimmer ertönt wenn ich gerade duschen will. Das kann einen leicht aus dem Konzept bringen.

Meditationsmusik, wenn es ganz still ist.

Die Schaltuhr der Heizung klingt wie der kleine schwarze Quartzwecker, den ich als Kind hatte. Mein Bruder hatte einen gelben, mit Aufklebern darauf. Das weiche Ticken hat mich damals am Einschlafen gehindert; aber nur wenn ich finstere Gedanken hatte. Dieses Ticken hier beruhigt mich, wenn ich genau hinhöre. Tik. Tik.

Das dumpfe Dröhnen der Rammsteinbegeisterten Lehrerin von nebenan.

Das grausige Kreischen der hüfthohen stählernen Tür im Gatter neben der Hauswand, hinter dem sich die Mülltonnen und weiter, in einer Ecke, geheime Sperrmülldeponien verstecken.

Manchmal, die Gedanken in meinem Kopf und mein Herzschlag.

Wenn ich an einen bestimmten Menschen denke, wird es still um mich.

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Endlose Weiten.


Vor meinem Schlafzimmerfenster bietet sich kein besonders großartiges Panorama. Wenn man hier einen Western drehen würde, dann jedenfalls nicht in Cinemascope und es wäre auch eher ein Einpersonenkammerspielwestern. Dafür kann ich aber auch leichtbekleidet nackt herumlaufen, ohne einen Aufruhr zu verursachen. Versucht das mal in Hollywood.

Außerdem gibt es Efeu. Etwas Efeu ist jedenfalls noch geblieben. Und die freundliche Ockerfarbe. Eher ein blasses Ocker, aber immerhin.

Waiting for Greatness.

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Scheißherbst

In den letzten Tagen war es am Nachmittag immer noch ein paar Stunden schön; ich bin meistens draußen unterwegs gewesen und habe in die Sonne geblinzelt – schließlich hatte ich Urlaub und genau dafür ist Urlaub da, finde ich.

Heute hat sich das Wetter gar nicht erst die Mühe gemacht: Es begann grau und wurde grauer. Erst ohne, später mit Regen. Und kalt.

So ein Wetter, bei dem alles zurück kommt: All die Finanzen, all die Techniker die all die Sachen die nicht funktionieren wollen reparieren soll, all die Leute, die man eigentlich sehen wollte, ein Gespräch am Anfang der Woche, das ich gar nicht richtig führen konnte und mir ein ganz mieses Gefühl gibt – letzteres vor allem: Wetterliche Tiefdruckphase und dazu noch diese Last auf der Seele – das drückt dich ganz tief in das viel zu weiche Sofa, das dir schon seit Jahren auf die Nerven geht. So ein ganzer Kartoffelsack, den jemand auf deinem Bauch oder doch eher deiner Brust oder doch eher dem Herzen vergessen hat; dieser jemand der seinen blöden ollen Sack einfach nicht wieder abholen mag.

Irgendwie magst du nicht mehr und grübelst und grübelst. Dann magst du nicht mehr grübeln. Und grübelst weiter.

Du schaltest aus purer Verzweiflung den Fernseher ein, der nach ewigen blogwürdigen Streitereien mit verschiedenen Parteien endlich etwas empfängt und was gibt es… “Die Prominenten Jodelschule” oder so.

Oh, du meine Güte. Es ist wohl Herbst.

Scheißherbst.

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Die erste Woche

So richtig angekommen ist man doch erst, wenn man Salz und Brot von den Nachbarn bekommen hat. Habe ich: Ein gelbes ü-Eidotter mit Salz und ein harter Knust Brot. Meine alternative ältere Nachbarin steckt mit Sicherheit dahinter, die mich immer zum Tee einläd, dann aber geringfügig zu spät kommt, also drei Stunden oder so.

So richtig angekommen ist man doch erst, wenn man an seinem neuen Wohnort gemeldet ist. Das habe ich erledigt, vielleicht habe ich sogar dein Einzugstag ein wenig zu meinem Gunsten nach hinten geschoben, um etwaigen Gebührenforderungen zuvorzukommen. Listig wie ich nun einmal bin.

So richtig angekommen ist man doch erst, wenn man seinen neuen Telefonanschluss freigeschaltet bekommen hat und mit etwas Glück sogar ins Internet kann. Die Telekomtechniker haben früher immer genaue Termine angegeben, zu denen sie dann nicht erschienen sind und viele Wochen später einen neuen Versuch anberaumten, dessen Erfolgsaussichten nicht viel besser ausfallen würden. Mein Techniker wollte am Montag kommen, dem Beginn meines einwöchigen Urlaubs und zwar in dem knappen Zeitfenster von 8:00 bis 16:00 Uhr. Er kam um 7:56, klingelte mich rücksichtslos aus dem Bett und war nach 10 Minuten längst wieder über alle Berge. Ich brauchte einige Minuten, um mich damit abzufinden. Vielleicht war der – verdächtig freundliche – Herr am Ende ein gemeingefährlicher Terrorist und nicht etwa der gemeingefährliche Telekomler, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte? Ich probierte etwas herum und es funktionierte auch noch. Alles. Sehr verdächtig.

So richtig angekommen ist man doch erst, wenn man sich halbwegs angenehme eingerichtet hat. Habe ich, aber eben nur halbwegs. Mir fehlt ein flauschiger Teppich, mir fehlen bunte Bilder, mir fehlt ein Esstisch. Solange man von einem Original 60s Reiseklapptisch speist, ist man nicht eingezogen, sondern kampiert. So ähnlich die Lampen. Blanke Glühbirnen und Energiesparlampen. Unschön.

Vor allem aber denke ich an ein sehr großes Bett und ein sehr großes Sofa. (Und an Diverses.)

Und an meine Freunde. Die sollen mich verdammt nochmal besuchen und diese Kiste Bier leermachen, die nicht mit einer meiner Lieblingssorten gefüllt ist. Ich tausche das Leergut dann schnell gegen eine frische Ladung eine meiner Lieblingssorten ein, die dann ebenfalls getrunken werden soll.

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