Zeit

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Teil des Problems

Teil des Problems

Etwas stimmt nicht mit der Welt und der Existenz und dem Planeten, ja mit dem Multiversum selbst scheint einiges im Argen zu liegen, wenn man sich die Gesamtsituation einmal vor Augen führt. Mir seit längerem geneigte Leser sind sicherlich bereits zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie ich, auch wenn das für sie – mit dem Gesamtbild des Multiversums vor Augen ein durchaus erinnernswerter Akt gewesen sein muss wie es für mich einer wahr.

Ich vermutete lange, dass wir allesamt zuwenig Zeit hätten. Das kann aber nicht sein, denn Zeit ist einfach da, man bewegt sich nur in ihr – darum sind auch Messinstrumente wie Uhren so lächerliche kleine Nervensäge. Nein. Der Planet und sein mittelbares Umfeld ist einfach zu schnell unterwegs. Ich bin sicher, dass man außerhalb dieses Sonnensystems weniger Klagen über hektische Tage zu hören bekommt – ich kann jedenfalls keinerlei Zitate darüber vorlegen und das nicht weil ich vielleicht nicht richtig gesucht hätte. Jeder weiß, wie gewissenhaft ich arbeite. Ich bringe regelmäßig den Müll vor die Tür. Ich habe einen Wecker und benutze ihn regelmäßig. Ich bin ein Teil des Problems. Denn:

Der Planet “Erde” hat es zu eilig. Er dreht sich viel zu schnell und wir sind schuld.

Wenn sich unsere geschätzte Kugel zu schnell bewegt, dann ja wohl deswegen weil wir so eifrig auf ihr rennen, fahren und schippern. Ihr kennt das von Artisten, die auf großen Bällen laufen und diese so fortbewegen; sogar manche wohltrainierte Tiere können das (und machen sich auf diese Weise mitschuldig). Dieser Planet namens Erde ist der große artistische Ball, den wir alle durch immer weiter beschleunigen und so dafür sorgen, dass wir nicht nur ständig müde, geschafft und abgespannt sind. Es bewirkt auch dass es immer so schnell dunkel wird und so früh morgen. Darum kriegen wir nie erledigt was wir schon immer gern tun wollten! Meistens jedenfalls nicht!

Zum Glück kann man etwas gegen diese besorgniserregende Entwicklung tun. Was? Lest weiter, denn ich habe die Lösung hier: Wir, die Verständigen und Hellsichtigen unter den Menschen (und unter den balancierenden Tieren) müssen uns widersetzen! Wir dürfen nicht einfach weiter in dieselbe Richtung eilen, die von uns erwartet wird! Nicht einfach weiterfahren, laufen, schippern, fliegen, kriechen, rollen! Tut das nicht. Haut den Rückwärtsgang rein und dann… gebt so richtig Gas in die Gegenrichtung.

Tut das genau jetzt und zwar alle gleichzeitig. Glaubt mir, danach fühlt ihr euch bestimmt schon eine Winzigkeit entspannter.

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Wenn es Sonntag ist und schon nach zwei Uhr und man liegt immer noch im Bett und man auf gar keinen Fall jetzt schon aufstehen kann, dann kommen die Gedanken ganz von allein und man braucht sie nur aufzuschreiben, wenn sie vorbeiflattern.

Ich war ganz überrascht, dass ich schon seit Tagen und so auch heute mittag über das Rauchen nachdachte. Wie die meisten meiner Freunde wissen, rauche ich selber nicht, habe nie geraucht und plane auch nicht damit anzufangen – andererseits bin ich auch nicht sonderlich pingelig, was Qualm in meiner Umgebung angeht: Solange es nicht gerade in meiner Wohnung passiert oder ungefragt in einer Nichtraucherkneipe – alles ok. Na gut: Wenn du vielleicht ein klein wenig angetrunken bist und trotzdem unbedingt vor dem metergroßen „Bitte nicht rauchen!“- Schild eine anzünden willst, dann halte ich dich nicht auf – ist nur etwas peinlich, aber wenn ich dich mag, tue ich einfach so als wäre nichts. Seht ihr, ganz undogmatisch.

Natürlich stinkt der Rauch. Normalerweise.

Bei manchen Leuten stinkt er nicht.

Mir ist gerade eingefallen, dass die Frauen in die ich schwer verliebt war, eher gar nichts gemeinsam hatten – bis auf das eine Detail: Sie waren bis auf vielleicht eine Ausnahme wenigstens Gelegenheitsraucherinnen. Das hat mich nicht gestört. Wenn ich mal ehrlich bin, hat es mir sogar gefallen. Natürlich habe ich ein Interesse daran, dass geliebte Menschen nicht krank werden. Natürlich habe ich ein Interesse daran, nicht selber krank zu werden. Ganz zu schweigen vom Gedanken an die Kosten für das Zeug. Die Kettenraucher, die nichts ohne Smog erledigen können. Aber…

… Zusammen spazieren zu gehen und nichts zu sagen. Den Rauch sich mit dem Nebel im Park vermischen lassen. All die Erinnerungen.

Ich geh mal eine rauchen. Hast du vielleicht Lust, mit nach draußen zu gehen?

Am Telefon hören, wie die am anderen Ende der Leitung einen Zug nimmt und dann wieder langsam ausatmet. Das leise Knistern der Glut und sonst: Stille.
Die eine Sache, um die ich die Raucher beneide: Die Gelegenheit, einen Platzhalter anzünden zu können. Zehn Minuten Auszeit. Oder so – ich habe mir nie Mühe gemacht, mir zu merken wie lang eine Zigarettenlänge eigentlich ist.

Zeit, die man nicht weiter begründen muss. Zeit, in der man der Zeit beim Vergehen zuschauen kann. Zeit, die man sich einfach für sich nimmt und in man nicht sprechen, denken, produktiv oder effektiv sein muss1

Ich überlege gerade, ob es eine andere Begründung für die kurze Auszeit vor der Tür gibt. Mir will bislang nichts einfallen, aber ich lasse einfach weiter meine Gedanken vorbeirauschen und wenn die richtige dabei ist, dann lasse ich es euch wissen. Solange fange ich aber nicht mit dem qualmen an. Keine Sorge.

Einen schönen Sonntag.

  1. Eine bekannte schottische Whiskeymarke – ich glaube Glenfiddich – hatte mal von Jahren Werbung, die in die Richtung ging. Die gefiel mir, aber ich glaube es sieht komisch aus, wenn ich mich bei der Arbeit mal kurz für ein Glas Single Malt entschuldige. []

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… du hast eigentlich Urlaub und Zeit, so vieles zu tun und Stunde um Stunde rinnt dir zwischen den Fingern hindurch. Morgens liegst du endlos im Bett, nein eher stehst du mittags auf, weil du irgendwann Hunger hast und so etwas wie ein schlechtes Gewissen, obwohl du frei hast und das ja mal irgendwann in Freiheit kam. Du bist Müde und dann noch einmal Müde und dann ist wenig passiert und der Tag vorbei. Eigentlich wolltest du viel mehr schreiben, etwas mit Substanz, aber es klappt nicht recht. Zu Müde. Am Ende des Tages liest du endlich online, wen du lesen willst, aber dir fällt gar nicht ein, was du sagen wolltest, die ganze Zeit spürst du dein Herz schlagen, du freust und freust dich und … dann möchtest du doch einfach nur diese Stimme hören und den warmen Körper fühlen, das Herz schlagen hören und schauen, was passiert, keine Wörter… einfach nur zusammen etwas machen. Egal, was. Ohne Druck.

… aber das ist dann vorbei und du pennst einfach ein. Sie ist schon lange vorher eingeschlafen; du lächelst bei dem Gedanken.

Noch etwas mehr als eine Woche. Immerhin ruhe ich mich aus und vielleicht habe ich irgendwann genug geschlafen, so das ich eines feinen Tages wieder “müde” schreiben kann und die Großschreibung wieder da landet, wo sie eigentlich hingehört.

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Man hört ja dann und wann, das Zeit keine feste Größe, sondern relativ ist – eine Minute kann manchmal wie ein Wimpernklimpern oder wie eine Ewigkeit sein. Manche Personen können meiner festen Überzeugung nach Zeit beschleunigen, sie vergeht so schnell, dass man nach einem Abend glaubt, sich gerade erst zur Begrüßung umarmt zu haben. Ich kann solchen Personen natürlich nicht böse sein, sie machen das zum einen nicht absichtlich und zum anderen sehr angenehm; Kurzweiligkeit ist kein Verbrechen – man will nur immer mehr davon und kurzweilige Gesellschaft verwöhnt mich meist schnell.

Wenn es Beispiele dieser Art gibt, dann existieren auch welche für das Gegenteil und ich bin sicher, dass die Zeit an wenigen Orten so langsam vergeht wie in den Wartezimmern von Ärzten. Das gilt mindestens doppelt für ein mit nur allzu vertrautes Wartezimmer eines bestimmten Augenarztes. Man kann sich hier die Netzhaut und andere Geschichten lasern lassen, daher ist das Durchschnittsalter der Patienten auch ganz schön hoch – ich bin hier immer nur als Fahrer, selbst ich bin hier noch ein Küken. Aber inzwischen bin ich etwas besorgt, wenn ich das ganze Wartezimmer von Personen in Strickjacken oder gar Westen besetzt vorfinde 1.

Meistens sind die Leute wegen der Therapie mit den Todesstrahlen aus dem All vor Ort und das bedeutet, dass sie mindestens eine halbe Stunde vor der Behandlung ihre Tropfen für die Weitung der Pupillen bekommen. Dafür gibt es enorme Wartezeiten und natürlich kann man nach der Betröpfelung kaum etwas machen; die meisten können nicht einmal lesen. Das bedeutet, dass man entweder redet – das bedeutet in den meisten Fällen klassische Gespräche über Krankheiten oder die fürchterlich verlotterte Nachbarschaft, Ämter, Jugend, Politiker – “Solche wie früher gibt’s ja heute nicht mehr” – oder man schläft einfach ein, was schlecht ist. . Mir ist wirklich schon einmal müder Enkel auf der Schulter eingepennt, sehr unkomfortabel für ihn und erst recht für mich – ich wollte ihn gar nicht wecken, weil das sicher peinlich für ihn geworden wäre. Es wurde ihm dann etwas später peinlich, weil ich wirklich aufstehen musste. Ich muss das nicht haben. Zu schlafen ist trotzdem die beste Alternative für Unvorbereitete, denn in dieser ganz speziellen Praxis gibt es nur zwei alte Ausgaben von “Das Goldene Blatt” und einmal “Die Aktuelle”. Ich bringe also mein eigenes Buch mit, werde aber selber müde durch die … beruhigende Aura der vielen Schlafenden und ihrem leisen Schnarchen und den immer gleichen Themen. Die Luft ist heiss und miefig. Meine Augen fallen mir immer wieder zu. Aber ich kann doch nicht aufgeben. Jedenfalls nicht so indiskret. Ich tue einfach so, als würde ich tief nachdenken, halte das Buch gut fest, schließe kurz meine Augen…

Ich schwöre, in solchen Stunden gehen ganze gefühlte Erdzeitalter vorbei. Sekunde für Sekunde.

  1. Versteht mich nicht falsch, das ist noch lange nicht so schlimm wie eine Anhäufung von handybewehrten Schlipsen, die unbedingt jetzt drankommen müssen, weil man wichtiger als das Alphatier nebenan ist. Ich habe nichts gegen ältere Leute. Und ich habe schon eine Menge Wartezimmer gesehen. []

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Zeitloch

Sowas: Die letzten Tage an dieser Stelle waren stressig und nun … sind die meisten Fälle in hoffentlich gute Hände übergeben und ich habe wirklich … Zeit. Tagsüber.

Damit kann ich wirklich kaum noch umgehen. Ich glaube, ich wische das Bad. Aus Verzweiflung.

Hihihi.

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Unterwegs

Gerade bin ich heimgekommen, habe ich mich ins Bett verkrochen, die treue weiße Datenschleuder kuschelt sich dazu und ein paar Zeilen müssen noch abgesondert werden, bevor ich das Macbook zuklappen und einschlafen kann.

Inzwischen mag ich das, unterwegs sein, vor allem nachts, wenn die genervten und nervenden Raser alle pennen und ich in meinem kleinen roten Gorgmobil über die westfälischen Autobahnen und Landstraßen dieseln kann.

Ich mag das Ruhrgebiet, die beleuchteten unglaublichen Schornsteine sind wie Ufos, wenn die Steine und Stahlkontruktionen von der Nacht ausradiert worden sind und endlich Platz für Phantasie da ist, um die Lücken mit Spinnerei zu füllen.

Wenn ich die Ortsschilder lese, dann denke ich an meine Freunde, Leute die ich sehr mag und die wohl nun schlafen1 – das ist mir egal, ich will auf das Dach des Wagens steigen und mit einem Megaphon und der gorgmorgischen Flagge aufs Aufdringlichste grüßen, ihre Namen rufen, damit sie wach sind und mit mir trinken und lachen bis zur offensichtlichst möglichen Fahruntüchtigkeit.

Das Auto schluckt nicht etwa Diesel, wenn die vorherige Formulierung solche Annahmen nahelegt, dann tut mir das leid – noch weniger frisst es Kilometer. Das Gorgmobil wird angetrieben von purer Zeit und hinter uns kommt nur noch der Gestank verbrauchter Zeit und sentimentaler Weinerlichkeiten raus – nein, wir schauen lieber nach vorn, auf das was kommen mag und sehen den Minutenzähler wandern in seiner unerträglichen Langsamkeit während wir weiter eilen, schneller als das Licht.

Zukunft wird zu Gegenwart und hinter uns übelriecht die Vergangenheit.

  1. Nun, ihr vielleicht nicht, aber ich mag euch auch. []

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